Die Fed lässt den Leitzins unverändert. Die Renditen von Bundesanleihen und US-Treasuries sind wieder rückläufig und bewegen sich auf ihre bisherigen Tiefstände zu. Die US-Finanzmarktreform steht kurz vor der Verabschiedung.
US-Leitzins unverändert, Treasuries freundlich
Sowohl der amerikanische als auch der deutsche Staatsanleihemarkt tendierten in der vergangenen Woche freundlich. Mit einer Rendite von 3,11 Prozent näherten sich 10jährige US-Treasuries ihrem bisherigen Tief, welches Ende Mai bei 3,06 Prozent lag. Die freundliche Tendenz wurde von einer Reihe erfolgreicher Auktionen unterstützt. Das US-Schatzamt begab dabei neue Papiere mit zwei, fünf und sieben Jahren Laufzeit. Das Volumen betrug 108 Milliarden US-Dollar und wurde problemlos vom Markt aufgenommen.
Das niedrige Zinsniveau ist auch weiterhin der zentrale Punkt in der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Der Offenmarktausschuss der Fed hat in seiner Sitzung an den vergangenen Mittwoch den Leitzins wie erwartet unverändert belassen. Die US-Notenbanker sind weiterhin bereit, das außergewöhnlich niedrige Zinsniveau beizubehalten, zumal die Inflation noch für einige Zeit niedrig bleiben wird. Letztlich dürfte hierfür auch die derzeitige Verfassung der US-Wirtschaft eine gewichtige Rolle spielen. In der Erklärung wies die Fed auf Belastungen außerhalb der Vereinigten Staaten hin, welche das amerikanische Wirtschaftswachstum weniger stark als zuvor unterstützen dürften. Der Einfluss der Verschuldungskrise in der Europäischen Gemeinschaft auf das US-Wirtschaftsgeschehen führt auch dazu, dass die Marktteilnehmer zunehmend zu einer Verschiebung des Zeitpunktes einer möglichen Zinserhöhung tendieren. So erwarten beispielweise US-Banken erst zu Beginn oder sogar nach dem ersten Quartal 2011 eine Anhebung des Leitzinses durch die Fed.
Die zuletzt veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten geben ein gemischtes Bild wieder. So zeigte sich die Entwicklung am US-Häusermarkt zuletzt schlechter als erwartet. Die Verkäufe neuer und bestehender Immobilien waren im Vergleich zum Vormonat stark rückläufig. Der vielbeachtete Absatz langlebiger Wirtschaftsgüter im Monat Mai präsentierte sich hingegen positiver als prognostiziert und signalisiert weiterhin zunehmende Investitionen.
Amerikanische Finanzmarktreform auf dem Weg
Neben der geldpolitischen Sitzung der Fed richteten die Marktteilnehmer ihr Augenmerk auf den Gesetzentwurf zur amerikanischen Finanzmarktreform, welcher in die letzte Runde geht und in der laufenden Woche zur Abstimmung im Repräsentantenhaus und im Senat ansteht. Ein wesentlicher Punkt dieser Reform ist die Stärkung der Aufsichtsbehörden. Die Finanzaufsicht soll dabei die Möglichkeit erhalten, große Banken, deren Schieflage das Finanzsystem bedrohen könnte, in einem geordneten Insolvenzverfahren abzuwickeln. Weiterhin wird der Derivatehandel zwecks verbesserter Transparenz künftig größtenteils über die Börse abgewickelt werden. Banken müssen zudem mehr Eigenkapital vorhalten, um mögliche Risiken abdecken zu können. Zudem dürfen nur drei Prozent des Eigenkapitals in Hedge-Fonds oder Private Equity investiert werden, wenn das Institut an der staatlichen Einlagensicherung teilnimmt. Weitere Punkte umfassen die Schaffung einer neuen Behörde zum Verbraucherschutz und einer Aufsicht für die Ratingagenturen. Darüber hinaus wird ein Finanzstabilitätsrat unter Führung des Finanzministers eingerichtet, damit Krisen für das gesamte Finanzsystem rechtzeitig erkannt werden.
Bund benötigt im Herbst weniger Geld
In der Eurozone gingen die Renditen der richtungsweisenden 10jährigen Bundesanleihen ebenfalls zurück. Mit einem Renditeniveau von 2,6 Prozent nähern sich auch diese wieder ihrem Rekordtief an, obgleich die in der vergangenen Woche veröffentlichten Fundamentaldaten für die Eurozone mit einem positiven Grundton versehen waren. So stiegen sowohl das Konsumentenvertrauen als auch der deutsche IFO-Index an. Beim IFO hatte sich vor allem die aktuelle Lage verbessert, während die Erwartungen für die kommenden sechs Monate rückläufig sind.
Die günstige Konjunkturentwicklung ermöglicht es der Finanzagentur, bis Oktober rund fünf Milliarden Euro weniger am Kapitalmarkt aufnehmen zu müssen. Wie aus dem aktuellen Emissionskalender zu entnehmen ist, werden im dritten Quartal 23 Milliarden Euro neu emittiert, bestehende Anleihen im Gegenwert von 21 Milliarden Euro aufgestockt. Bislang waren 46 Milliarden Euro vorgesehen, drei Milliarden wurden zudem ersatzlos gestrichen.
Mit Blick auf die Entwicklung an den europäischen Anleihemärkten war in den vergangenen Tagen eine differenzierte Entwicklung im Vergleich zu Bundesanleihen zu beobachten. Während spanische und irische Staatstitel über alle Laufzeiten hinweg unverändert notierten, wiesen italienische Papiere ansteigende Risikoaufschläge zwischen fünf und 15 Basispunkten für lange und kurze Laufzeiten auf. Portugal konnte eine 10jährige Anleihe um eine Milliarde Euro erfolgreich aufstocken. Die Risikoaufschläge für griechische Papiere, vor allem für Kreditausfallderivate (CDS), zogen im Wochenvergleich wieder an. Moody’s hatte in der vorletzten Woche die Bonität Griechenlands herabgestuft.
Der Unternehmensanleihemarkt trat hingegen auf der Stelle. Auf Indexebene (Merrill Lynch EMU Corp. Index ER00) waren Spreadeinengungen um drei Basispunkte zu beobachten. Am Primärmarkt begaben Unternehmen wie ENI, BAT, VW, Renault und Peugeot neue Anleihen. Diese werden jedoch für die Anleger zu wenig attraktiven Konditionen emittiert, sodass am Sekundärmarkt zur Zeit kaum Kursgewinne zu erzielen sind.
Ausblick
Mit Spannung wird am Donnerstag das Auslaufen des 12-Monats-Tenders der EZB in Höhe von 442 Milliarden Euro erwartet. Die Zentralbank hatte diesen im Juli 2009 im Rahmen der unbegrenzten Liquiditätsversorgung den Banken zur Verfügung gestellt. Diese werden anschließend auf Drei – und Sechs-Monatstender ausweichen müssen. Zumindest bis September wird die EZB aber unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellen, sodass vorerst keine Geldverknappung zu befürchten ist.
Am Freitag steht dann als Highlight der Woche der US-Arbeitsmarktbericht für Juni im Blickpunkt der Finanzmärkte.
Termine der Woche
Montag, 28.06.2010
DE: Harmonisierter Verbraucherpreisindex (Juni),vorläufig
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