Marktberichte Juni 2019

Aktien: Aussicht auf Zinssenkung lässt Aktien steigen

Renten: Renditen weiter abwärts

Aktienmärkte: Die Zins- und Geldpolitik der großen Notenbanken war im Juni das bestimmende Thema an den Märkten. In Erwartung bevorstehender Zinssenkungen konnten die Aktienbörsen deutlich zulegen.

Rentenmärkte: Auch an den Rentenmärkten kam es zu Kursgewinnen, die Renditen fielen deutlich. Vom Thema Zinssenkung profitierten sowohl die als sicher geltenden Kern-Staatsanleihen als auch die mit Risiko behafteten Anleiheklassen. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen erreichten mit minus 34 Basispunkten ein Allzeit-Renditetief.

Die Aktienmärkte

Europa

Europäische Aktienmärkte beenden Juni mit Gewinnen

Im Juni konnten die europäischen Aktienmärkte Gewinne erzielen. Der EURO STOXX 50-Index gewann 5,9 Prozent, der marktbreite STOXX Europe 600-Index schloss 4,3 Prozent fester. Die im MSCI Europe Small Cap-Index gelisteten Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung verzeichneten ein Plus von 2,9 Prozent.

Gestützt wurden die europäischen Aktienmärkte im Juni vor allem von Signalen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Geldpolitik aufgrund der schwächelnden globalen Konjunktur und des Handelskonflikts in den nächsten Monaten expansiver zu gestalten. Es könnte noch in diesem Jahr zu Leitzinssenkungen in den USA und der Eurozone kommen.

In Großbritannien starteten die Wahlen eines neuen Vorsitzenden der konservativen Partei und damit auch des neuen Premierministers. Boris Johnson hat es dabei in die Endrunde geschafft. Er gilt als Favorit. Johnson hatte sich zuletzt für eine harte Verhandlungslinie gegenüber Brüssel ausgesprochen. Gleichzeitig will er aber auch einen chaotischen Brexit ohne Abkommen vermeiden. Der FTSE 100-Index reagierte in dieser Gemengelage mit einem Wertzuwachs von 3,7 Prozent.

Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Iran sorgten auch bei den Anlegern in Europa für Unsicherheit. Darüber hinaus belastete die sich eintrübende Konjunktur in Europa sowie der nach wie vor schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China. Auch wenn in das Verhältnis beider Staaten vor dem G20-Gipfel in Japan zwischenzeitlich Ruhe eingekehrt ist, ist der Konflikt noch nicht gelöst. Immerhin verständigten sich die Parteien in Osaka Ende des Monats auf die Wiederaufnahme der Handels-Verhandlungen.

Die Ergebnisse der nächsten Verhandlungsrunde zwischen den USA und China sowie die konjunkturelle Entwicklung dürften in den kommenden Monaten zentrale Einflussfaktoren für die europäischen Aktienmärkte sein.

Deutschland

Deutsche Aktienmärkte im Plus

Die deutschen Aktienmärkte konnten im Juni deutliche Gewinne erzielen. Der DAX 30-Index mit den größten deutschen Unternehmen gewann 5,7 Prozent. Der MDAX-Index, der die Firmen mit mittlerer Marktkapitalisierung abbildet, schloss 3,4 Prozent im Plus. Die im SDAX gelisteten Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung verbuchten einen Wertzuwachs von 5,1 Prozent. Gemessen am TecDAX-Index zeigte sich auch der Technologiesektor stark (4,6 Prozent).

Gestützt wurden die deutschen Börsen im Juni vor allem von Signalen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Geldpolitik aufgrund der schwächelnden globalen Konjunktur und des Handelskonflikts in den nächsten Monaten expansiver zu gestalten. Es könnte noch in diesem Jahr zu Leitzinssenkungen in den USA und der Eurozone kommen.

Für Unsicherheit bei den Anlegern in Deutschland sorgten im vergangenen Monat geo-politische Auseinandersetzungen. Die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie der nach wie vor schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China belastete auch den deutschen Aktienmarkt. Auch wenn in das Verhältnis beider Staaten vor dem G20-Gipfel in Japan zwischenzeitlich Ruhe eingekehrt ist, ist der Konflikt noch nicht gelöst. Immerhin verständigten sich die Parteien in Osaka Ende des Monats auf die Wiederaufnahme der Handels-Verhandlungen.

Mit Blick auf die deutsche Wirtschaft zeigte sich ein gemischtes, aber eher eingetrübtes Bild: Während der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe überraschend gestiegen ist, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex gesunken. Darüber hinaus ist die Konjunkturerwartung des ZEW-Instituts auf -21,1 Punkte eingebrochen. Experten hatten lediglich einen Rückgang auf -5,6 Punkte erwartet. Die Barometer gelten als Indikatoren für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.

In den kommenden Monaten dürften die Ergebnisse der nächsten Gesprächsrunde zwischen den USA und China sowie die globale konjunkturelle Entwicklung entscheidende Einflussfaktoren für die Aktienmärkte in Deutschland sein.

Osteuropa

Zentralbanken treiben Osteuropas Börsen

Die Aktienmärkte in Osteuropa gewannen im Juni hinzu. Der MSCI Emerging Markets Eastern Europe-Index stieg in Lokalwährung um 3,3 Prozent. In US-Dollar gerechnet legten die Börsen um 6,3 Prozent zu. Während das sich eintrübende konjunkturelle Umfeld sowie der schwelende Handelsstreit die Aktienmärkte belasteten, sorgte die Geldpolitik für positive Impulse. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone kam es zu einer geldpolitischen Kehrtwende, die zu Zinssenkungen im zweiten Halbjahr führen könnte.

In der Türkei standen die wiederholten Bürgermeisterwahlen in Istanbul im Fokus. Ekrem Imamoglu von der oppositionellen CHP konnte die Wahl für sich entscheiden. Das Ergebnis gilt als Rückschlag für den türkischen Präsidenten Erdogan und seine AKP. Der Urnengang wirkte sich positiv auf die Stimmung der Investoren aus. Die Türkische Lira legte daraufhin gegen den US-Dollar an Wert zu. Auf Monatssicht schloss sie 0,8 Prozent im Plus. Auch die Aktienmärkte gewannen hinzu (BIST-Index, in Lokalwährung: 6,5 Prozent).

In Russland hat die Notenbank ihre Geldpolitik gelockert, was sich positiv auf die Aktienmärkte auswirkte. Der Leitzins wurde um 25 Basispunkte auf 7,50 Prozent gesenkt. Experten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet, zumal der Internationale Währungsfonds einige Tage vorher zu diesem Schritt geraten hatte. Die Zentralbank sagte, dass der Rückgang der Inflation voranschreite und das Wachstum im ersten Halbjahr unter den Erwartungen gelegen habe. Darüber hinaus äußerten sich die Währungshüter dahingehend, dass weitere Leitzinssenkungen möglich seien. Dennoch legte der Russische Rubel gegenüber dem US-Dollar 3,5 Prozent an Wert zu. Der russische Aktienmarkt gewann, gemessen am MICEX-Index in Lokalwährung, 3,8 Prozent. Der in US-Dollar notierende RTS-Index stieg um 7,3 Prozent.

Die Börsen in Tschechien (PX-Index: -0,2 Prozent) und Ungarn (BUX-Index: -1,5 Prozent) mussten im Juni Federn lassen, während die polnische Börse 3,9 Prozent (WIG-Index) an Wert zulegte.

Der Fortgang des Handelsstreits, die Geldpolitik sowie die konjunkturelle Entwicklung sind entscheidende Einflussfaktoren für die Aktienmärkte Osteuropas.

USA

Kräftige Gewinne an den US-Börsen

Die US-Börsen haben im Juni die Verluste des Vormonats wettgemacht und erhebliche Kurszuwächse verzeichnet. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 7,2 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index verbesserte sich um 6,9 Prozent. Insbesondere Grundstoffe und Aktien aus dem Technologie- und dem Energiesektor zogen kräftig an, Versorger und Hersteller von Basiskonsumgütern blieben hingegen hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Vor allem die Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) stützte die Kurse. Die Währungshüter hatten wiederholt angedeutet, angesichts der konjunkturellen Eintrübung die Zinsen womöglich senken zu wollen. Bei der Sitzung der Notenbank im Juni blieb ein solcher Schritt allerdings noch aus. Das Leitzinsband wurde vorerst bei 2,25 bis 2,5 Prozent belassen. Auch hinsichtlich des Bilanzabbaus oder der künftigen Zusammensetzung des Notenbankportfolios wurden keine Entscheidungen getroffen. Allerdings sind angesichts der Äußerungen der Zentralbank-Mitglieder Zinssenkungen bis zum Jahresende wahrscheinlicher geworden.

Auch Fortschritte im Handelsstreit gaben den Notierungen Rückenwind. So setzte US-Präsident Donald Trump die angedrohten Zölle gegen Mexiko auf unbestimmte Zeit aus. Auch in das Verhältnis zwischen den USA und China schien vor dem G20-Gipfel im japanischen Osaka zwischenzeitlich Ruhe einzukehren. So sollen künftig beispielsweise die Sanktionen gegen den chinesischen Technologiekonzern Huawei etwas gelockert werden. Damit wären Geschäfte mit dem Unternehmen für einige US-Firmen wieder möglich.

Ein wesentlicher Treiber für die Börsen wird nach der bislang ausgebliebenen Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Wochen die Frage nach der Tragfähigkeit des Konjunkturzyklus sein. Die Weltwirtschaft wird zwar auch in diesem Jahr wachsen. Das Umfeld wird aber zunehmend spätzyklisch, vor allem in den USA. Auch die Möglichkeit einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China ist nach wie vor existent.

Fernost

Asiatische Börsen mit deutlichen Gewinnen

Die Aktienmärkte Asiens erzielten im Juni größtenteils deutliche Wertzuwächse und trotzten somit zahlreichen belastenden Faktoren. Gemessen am MSCI Far East ex Japan-Index gewannen die asiatischen Börsen 5,6 Prozent hinzu.

Obwohl die anhaltenden Ausschreitungen und Massenproteste gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz in Hongkong für Unruhe sorgten, konnte der Hang Seng-Index im Juni 6,1 Prozent hinzugewinnen.

Für Unsicherheit bei den Anlegern in Asien sorgte außerdem der weiterhin ungelöste Handelsstreit zwischen den USA und China. Nachdem die Verhandlungen seit der jüngsten Eskalation im Mai pausierten, einigten sich beide Parteien im Rahmen des G20-Gipfels Ende Juni auf eine weitere Gesprächsrunde.

Der langwierige Handelskonflikt schwächt die chinesische Wirtschaft maßgeblich und aktuelle Makrodaten zeigen, dass eine Erholung noch nicht in Sicht ist. Das von der chinesischen Regierung eingeführte Programm zur Stützung der Konjunktur wirkte sich im Juni positiv auf die Aktienmärkte aus: Der Shanghai Composite-Index verbuchte einen Wertzuwachs von 2,8 Prozent.

Für gute Stimmung an den Börsen sorgten außerdem Signale der US-Notenbank Fed, die Geldpolitik in den nächsten Monaten lockerer zu gestalten und Zinssenkungen durchzuführen.

An den übrigen asiatischen Börsenplätzen herrschte ebenfalls ein weitgehend positives Bild: In Singapur (6,5 Prozent) und Thailand (6,8 Prozent) fielen kräftige Gewinne an. Auch die Börsen in Taiwan (2,2 Prozent), Indonesien (2,4 Prozent) und Malaysia (1,3 Prozent) verbuchten deutliche Kursaufschläge. Lediglich der Markt in Indien (-1,1 Prozent) blieb mit Verlusten hinter den übrigen Börsen zurück.

In den kommenden Monaten dürften an den Märkten vor allem die Ergebnisse der nächsten Gesprächsrunde zwischen den USA und China sowie die globale konjunkturelle Entwicklung entscheidend sein.

Japan

Japanische Börsen beenden Juni mit Gewinnen

Die japanischen Börsen erzielten im Juni deutliche Gewinne und trotzten damit zahlreichen belastenden Faktoren. Der marktbreite TOPIX-Index gewann in lokaler Währung 2,6 Prozent an Wert. Der NIKKEI 225-Index konnte sogar ein Plus von 3,3 Prozent verbuchen.

Für Unsicherheit bei den Anlegern in Japan sorgte im vergangenen Monat weiterhin der Handelsstreit zwischen den USA und China. Nachdem die Verhandlungen seit der jüngsten Eskalation im Mai pausierten, einigten sich beide Parteien im Rahmen des G20-Gipfels Ende Juni auf eine weitere Gesprächsrunde.

Der langwierige Handelskonflikt schwächt die Wirtschaft der Exportnation Japan maßgeblich. Japanische Ausfuhren sind im Juni zum sechsten Mal in Folge gesunken und haben im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,8 Prozent abgenommen. Trotz anhaltend sinkender Exporte konnte die japanische Industrieproduktion im Mai mit 2,3 Prozent überraschend den stärksten Anstieg seit mehr als einem Jahr verbuchen. Die Konjunkturaussichten bleiben gleichwohl verhalten: Der vierteljährlich erhobene Tankan-Index ist jüngst von zwölf Punkten auf sieben Punkte gefallen. Experten hatten einen Rückgang auf lediglich neun Punkte erwartet.

Positiv wirkten sich auf den japanischen Aktienmarkt Signale der US-Notenbank Fed aus, die Geldpolitik in den nächsten Monaten expansiver zu gestalten und Zinssenkungen durchzuführen. Auch die Bank of Japan kündigte an, ihre lockere Geldpolitik beizubehalten und die Zinsen bis mindestens Frühjahr 2020 auf einem sehr niedrigen Niveau zu belassen.

Die Märkte dürften in den kommenden Monaten vor allem von den Ergebnissen der nächsten Gesprächsrunde zwischen den USA und China sowie der globalen konjunkturellen Entwicklung beeinflusst werden.

Weltweit

Deutliche Zugewinne an den globalen Aktienmärkten

Nach den massiven Kurseinbußen im Vormonat entwickelten sich die globalen Aktienmärkte im Juni wieder deutlich positiver. Der MSCI Welt-Index verzeichnete in lokaler Währung auf Monatssicht ein erfreuliches Plus von 5,8 Prozent. Seit Jahresanfang stieg das Börsenbarometer um 15,3 Prozent.

In den USA verzeichneten die Börsen ebenso enorme Zugewinne. Der Dow Jones Industrial Average entwickelte sich mit einem Plus von 7,2 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index verbesserte sich um 6,9 Prozent. Vor allem die Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) stützte die Kurse. Die Währungshüter hatten wiederholt angedeutet, angesichts der konjunkturellen Eintrübung die Zinsen womöglich senken zu wollen. Darüber hinaus gaben Fortschritte im Handelsstreit den Notierungen Rückenwind. So setzte US-Präsident Donald Trump die angedrohten Zölle gegen Mexiko auf unbestimmte Zeit aus. Auch in das Verhältnis zwischen den USA und China schien vor dem G20-Gipfel im japanischen Osaka Ruhe einzukehren.

Die europäischen Märkte haben die Verluste aus dem Vormonat ebenso wettgemacht und erfreuliche Gewinne verzeichnet. Der EURO STOXX 50-Index gewann 5,9 Prozent, der marktbreite STOXX Europe 600-Index legte 4,2 Prozent zu. Das Marktgeschehen wurde vor allem durch Signale der großen Notenbanken gestützt, die Geldpolitik aufgrund der schwächelnden globalen Konjunktur und des Handelskonflikts in den nächsten Monaten expansiver zu gestalten.

In Japan erzielte der NIKKEI 225-Index ein Plus von 3,3 Prozent, der marktbreite TOPIX-Index gewann 2,6 Prozent an Wert hinzu. Ebenso erfreulich entwickelten sich Aktien aus den Schwellenländern. Gemessen am MSCI Emerging Markets-Index konnten sie in lokaler Währung um 4,1 Prozent zulegen.

Mit einem weiter abflachenden Wirtschaftswachstum und der Möglichkeit einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China dürfte das Kapitalmarktumfeld rauer werden. Unterstützend sollten die Maßnahmen der Notenbanken sein, soweit sie die eingepreisten Erwartungen erfüllen.

Die Rentenmärkte

Eurozone

EZB offen für weitere Maßnahmen – Anleihegläubiger jubeln

Im Juni setzte sich der freundliche Trend am Markt für europäische Staatsanleihen fort. Papiere aus den Kernländern verbuchten erneut Kursgewinne. Schwache Konjunkturdaten und der weiterhin nicht gelöste Handelsstreit zwischen China und den USA sorgten für Rückenwind. Viele Marktteilnehmer blieben skeptisch, ob das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka zum Monatsende eine Lösung bereithält. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen markierte bei -0,34 Prozent ein Allzeittief. Laufzeitgleiche Papiere aus Frankreich rentierten zwischenzeitlich erstmals im negativen Bereich. Die Skepsis war letztlich nicht ganz unbegründet. Der Streit wurde zwar nicht beigelegt, beide Seiten zeigten sich aber gesprächsbereit. Da die Gipfelergebnisse erst nach Handelsschluss veröffentlicht wurden, blieb eine Kursreaktion noch im Juni aus.

Lange Zeit also kein gutes Umfeld für die risikobehafteten Staatsanleihen aus den Peripherieländern möchte man meinen, doch weit gefehlt. Die Suche nach Rendite sorgte auch dort für Kursgewinne. Größter Treiber war jedoch die Europäische Zentralbank (EZB). Auf dem Notenbanktreffen im portugiesischen Sintra kündigte Mario Draghi an, dass die Währungshüter bereit seien zu handeln, wenn dies denn erforderlich wäre. Dies schließe mögliche Zinssenkungen ebenso ein wie eine Neuauflage der Ankaufprogramme. Viele Anleger gehen deshalb davon aus, dass die EZB schon im zweiten Halbjahr die Leitzinsen senken wird. Ein erneutes Ankaufprogramm käme unter anderem italienischen Staatsanleihen zugute, da es selbst bei einem neuerlichen Budgetstreit mit der Europäischen Union einen Käufer gäbe. Peripherieanleihen legten daher im Juni um 3,2 Prozent zu, während Schuldverschreibungen aus den Kernländern auf Indexebene 1,7 Prozent höher notierten.

In Summe verteuerten sich europäische Staatsanleihen im Juni, gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index, um 2,3 Prozent. Wir rechnen mit Blick auf die schwachen Konjunkturdaten vorerst nicht mit nennenswert höheren Renditen.

Euro-Outs

Suche nach Rendite stützt Euro-outs

Europäische Anleihen außerhalb des gemeinsamen Währungsraums verbuchten im vergangenen Monat erneut auf breiter Basis Renditerückgänge. Ursächlich hierfür war die unbeeinträchtigte Suche nach Rendite, da Schuldverschreibungen aus den Kern-Euroländern teilweise neue Kurshöchststände erreichten. Die Notenbanken spielten dabei keine unerhebliche Rolle. Auf der letzten Sitzung der US Notenbank Federal Reserve blieb das Leitzinsband zwar unverändert, doch gehen die Markteilnehmer angesichts der weiteren konjunkturellen Eintrübung zunehmend von Zinssenkungen aus. Zudem hielten auch acht von 17 Mitgliedern des Offenmarktausschusses Zinssenkungen von insgesamt 50 Basispunkte für das laufende Jahr als angemessen. Auch Mario Draghi lies auf der letzten EZB-Sitzung im portugiesischen Sintra verlauten, dass die Währungshüter im Euroraum ebenfalls bereit seien zu handeln. Dazu gehören sowohl mögliche Zinssenkungen als auch eine Neuauflage der Ankaufprogramme. Folglich rechneten nun viele Anleger sowohl im Euro- als auch im US-Raum fest mit Zinssenkungen und steigerten ihre Risikobereitschaft. Die als sicher geltenden Schuldverschreibungen aus der Schweiz und Norwegen verzeichneten entsprechend nur moderate Renditerückgänge von rund sieben und elf Basispunkten.

Staatspapiere aus dem osteuropäischen Raum standen hingegen eher im Fokus der Anleger. In Russland rentierten die Anleihen im zehnjährigen Laufzeitenbereich mit circa minus 46 Basispunkten deutlich tiefer und waren somit am Markt gefragt. Neben dem grundsätzlich positiven Marktumfeld für renditeträchtige Anlagen unterstützte hier zusätzlich ein festerer Ölpreis. Papiere aus Kroatien (-48 Basispunkte) und Ungarn (-32 Basispunkte) wurden am Markt ebenfalls favorisiert. Zudem konnten Staatsanleihen aus der Türkei mit erneut kräftigen Renditerückgängen an die positive Entwicklung des Vormonats anknüpfen. Der im Rahmen der wiederholten Bürgermeisterwahlen (Istanbul) errungene Wahlsieg des Oppositionskandidaten Ekrem Imamoglu drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zwischenzeitlich auf 16,1 Prozent. Im Monatsvergleich sank die Rendite der Lokalwährungspapiere um 1,8 Prozent.

USA

Zinssenkung wahrscheinlich

US-Schatzanweisungen knüpften im Juni an die Kursgewinne aus dem Vormonat an. Der übergeordnete Trend zu niedrigeren Renditen bleibt damit intakt. Zwischenzeitlich unterschritten zehnjährige Staatsanleihen sogar die Renditemarke von zwei Prozent. Schwache Konjunkturdaten und der anhaltende Handelsstreit hatten für eine hohe Nachfrage gesorgt. Zum Monatsende hin zeigten sich Anleger abwartend und blickten gespannt nach Osaka, wo der G20-Gipfel stattfand. Dabei interessierten weniger die eigentlichen Gipfelergebnisse, sondern vielmehr das „Rahmenprogramm“. Am Rande des Treffens war ein Austausch zwischen US-Präsident Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping angesetzt. Ziel war es, eine Lösung im Handelsstreit zu finden. Letztlich wurde zwar kein Durchbruch erzielt, beide Seiten zeigten sich aber wieder verhandlungsbereit. Neue Zölle werden somit vorerst nicht eingeführt. Da die Ergebnisse jedoch erst nach Handelsschluss bekannt gegeben wurden, blieb eine Marktreaktion darauf noch im Juni aus.

Es gab Gerüchte, wonach Peking bei einer möglichen weiteren Eskalationsstufe seitens der US-Regierung, zukünftig weniger bereit sein könnte US-Staatsanleihen zu erwerben. China ist der größte Gläubiger der USA. Diese Gedankenspiele hatten bislang aber (noch) keinen Einfluss auf die Kursentwicklung der US-Papiere.

Eine große Unterstützung stellte erneut die Geldpolitik der US-Notenbank dar. Auf der regulären Sitzung im Juni wurden die Leitzinsen zwar unverändert gelassen, acht der 17 Fed-Mitglieder sprachen sich allerdings für eine Zinssenkung aus. Laut ihrem Vorsitzenden Powell ist es das Ziel der Fed, den wirtschaftlichen Aufschwung am Leben zu halten. Marktteilnehmer rechnen daher fest mit Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte. Um ein Signal zu setzen und eine sinnvolle Stimulation der US-Wirtschaft zu erzielen, wird in einer ersten Reaktion von einem Zinsschritt von 50 Basispunkten ausgegangen. Gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index verteuerten sich US-Schatzanweisungen im Juni um 0,9 Prozent. Nach vorn gerichtet ist nicht mit steigenden Renditen zu rechnen.

Weltweit

Anleger setzen auf die Notenbanken

Im Juni setzte sich der freundliche Trend an den Rentenmärkten fort. Mehrheitlich schwache Konjunkturdaten, geringe Inflationsraten und der weiterhin nicht gelöste Handelsstreit zwischen China und den USA trieben Anleger in die sicheren Anlagehäfen. Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen unterschritt zwischenzeitlich die Marke von zwei Prozent. Laufzeitgleiche Bundesanleihen markierten bei -0,34 Prozent ein Allzeittief. Europäische Staatsanleihen aus den Kernländer verteuerten sich daher, gemessen am iBoxx € Sovereigns Index um 2,3 Prozent.

Unterstützung kam auch von der Geldpolitik. Acht von 17 Mitgliedern der US-Notenbank sprechen sich mittlerweile für Zinssenkungen aus. Laut ihrem Vorsitzenden Powell ist es das Ziel der Fed, den wirtschaftlichen Aufschwung in den USA am Leben zu halten. Um die Wirtschaft sinnvoll zu stimulieren rechnen Anleger daher schon bald mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte. Auch die Europäische Zentralbank zeigte sich handlungsbereit. Wenn nötig sei man bereit die Zinsen zu senken und die Ankaufprogramme wieder aufleben zu lassen, verkündete EZB-Chef Mario Draghi. Von einem neuen Kaufprogramm würden die Anleihen der europäischen Peripherieländer besonders profitieren, weshalb sie auf Indexebene im Juni auch um 3,2 Prozent zulegten. Die größten Zugewinne verzeichneten dabei Papiere aus Italien, die dann wohl auch bei einem neuerlichen Haushaltstreit mit der Europäischen Union gekauft werden würden. Insgesamt sind die Erwartungen an die Geldpolitik hoch gesteckt. Sollten die Währungshüter nicht liefern, ist das Enttäuschungspotenzial groß.

Von der Suche nach Rendite profitierten aber auch die risikobehafteten Anleihesegmente. Trotz eher mäßiger Nachrichtenlage stiegen die Kurse europäischer Unternehmensanleihen auf Indexebene um 1,5 Prozent an. Papieren aus den aufstrebenden Volkswirtschaften kam die Aussicht auf sinkende US-Leitzinsen entgegen. Dadurch verringern sich für diese Länder die Refinanzierungskosten. Hartwährungsanleihen aus den Emerging Markets legten daher im Juli auf den Gesamtmarkt bezogen um 3,4 Prozent zu.

Unternehmensanleihen

Zentralbanken befeuern Nachfrage

Zuletzt überwiegend schlechte Konjunkturdaten lassen sowohl im Euroraum als auch in den USA eine Zinssenkung immer wahrscheinlicher werden. In Erwartung kommender geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen seitens der großen Zentralbanken prägte im Juni eine hohe Nachfrage das Geschehen im Anleihemarkt. Der allgemeine Zinstrend war im Juni nach unten gerichtet. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichten mit minus 34 Basispunkten Rendite ein Allzeittief. Vom deutlichen Zinsrückgang konnten auch europäische Unternehmensanleihen profitieren. Nach einem schwächeren Mai gewann der Gesamtmarkt (ICE BofA Merrill Lynch Euro Corporates, ER00-Index) im Juni wieder 1,5 Prozent hinzu und schloss Indexseitig auf einem Jahreshoch. Die Risikoprämien (Spreads) fielen gleichzeitig um zehn auf 75 Basispunkte.

Angesicht der anhaltend rückläufigen Renditen an den Staatsanleihemärkten rückten die mit Risikoaufschlägen versehenen Anleihesegmente in den Vordergrund. Im Bereich der Unternehmenspapiere profitierten hierbei vor allem die Nachrangsektoren. So konnten nachrangige Industrie- und Finanzanleihen auf Indexebene (ICE BofA Merrill Lynch ENSU/EBSU-Index) um 3,3 beziehungsweise 2,6 Prozent und damit deutlich zulegen. Die Risikoprämien engten sich dort mit jeweils rund 30 Basispunkten merklich ein. Ein Plus von 2,2 Prozent verzeichnete zudem der Markt für hochverzinsliche Firmenpapiere (ICE BofA Merrill Lynch Euro High Yield, HEAG-Index). Dort waren mit 50 Basispunkten die umfangreichsten Spreadeinengungen zu beobachten.

Im freundlichen Marktumfeld boomte der Primärmarkt, zahlreiche neue Papiere wurden platziert. Dem hohen Angebot stand eine noch höhere Nachfrage gegenüber. Trotz geringer Neuemissionsprämien wiesen die neuen Titel im Rahmen des freundlichen Gesamtmarktes eine überwiegend gute Entwicklung auf.

Die Erwartungshaltung der Anleger in Richtung Zentralbanken ist hoch, die Geld- und Zinspolitik sollte in den kommenden Wochen der Haupttreiber der Marktentwicklung sein. Der auf dem G20-Treffen in Osaka geschlossene Burgfrieden zwischen den USA und China dürfte die Risiken im Handelsstreit zunächst etwas abmildern.

Emerging Markets

Erwartungen sinkender Zinsen unterstützen Schwellenländer

Der abgelaufene Handelsmonat verlief für die Schwellenländeranleihen äußerst positiv. Für Erleichterung sorgte die Einigung im Flüchtlings- und Zollstreit zwischen den USA und Mexiko. Die ursprünglich seitens der USA angedrohten Sonderabgaben dienten primär als Druckmittel des US-Präsidenten im Kampf gegen die illegale Einwanderung. Nachdem aber Mexiko zusagte, zukünftig stärker gegen die Migration vorzugehen, wurden die Zölle nun auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Weiterhin profitierten die Anleihemärkte der aufstrebenden Volkswirtschaften von der Suche nach profitablen Anlageformen, da die Renditen aus den Kernmärkten teils neue Tiefststände erreichten. Die Notenbanken spielten dabei keine unerhebliche Rolle. Auf der jüngsten Sitzung der US Notenbank Federal Reserve blieb das Leitzinsband zwar unverändert, doch gehen die Marktteilnehmer angesichts der weiteren konjunkturellen Eintrübung von Zinssenkungen innerhalb der zweiten Jahreshälfte aus. Entsprechend legten die Schwellenländeranleihen auf Indexebene (JP Morgan EMBI Global Div.-Index) um 3,4 Prozent zu.

Insbesondere Anleihen aus der Türkei konnten an die positive Entwicklung des Vormonats anknüpfen und verbuchten erneut kräftige Renditerückgänge. Der Wahlsieg des Oppositionskandidaten Ekrem Imamoglu bei der wiederholten Bürgermeisterwahl in Istanbul drückte die Rendite der zehnjährigen Lokalwährungspapiere zwischenzeitlich auf 16,1 Prozent. Im Monatsvergleich sank die Rendite der Titel um 1,8 Prozent. Papiere aus Brasilien erhielten außerdem von der positiven Goldpreisentwicklung Rückenwind. Zudem wurden Anleihen aus Russland durch einen festeren Ölpreis unterstützt.

Das für Schwellenländeranleihen grundsätzlich positive Marktumfeld wurde auch von einer Reihe von Staaten genutzt, um wieder an frisches Geld zu gelangen. Zu den Emittenten in Euro gehörten unter anderem Indonesien, Kroatien und die Ukraine. Darüber hinaus signalisierten auch Serbien und Saudi-Arabien Interesse an einer Platzierung in der Gemeinschaftswährung. Trotz zahlreicher Neuemissionen war die Stimmung an den Primärmärkten insgesamt freundlich.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 30. Juni 2019, soweit nicht anders angegeben.

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